Augen zu. Augen auf.

 

Ein Kunstwerk entsteht in mehreren Phasen.

 

1. Phase: die Wahrnehmung eines Phänomens oder Objektes

 

2. Phase: die kontemplative Auseinandersetzung mit dem Phänomen oder Objekt – Augen zu

 

3. Phase: die Umsetzung des Erkenntnisgewinns in ein neues Kunstwerk – Augen auf

 

Ziel einer jeden Präsentation von Kunst ist beim Betrachter eine Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk anzuregen, die bei Erfolg ebenfalls in einem Erkenntnisgewinn mündet. Um Ihnen diesen Weg ein wenig zu erleichtern erfolgt nun eine kurze Einführung in die Werke von Kay Brudy und Sven Wiesner:

 

Kay Brudy

 

Während des Entstehungsprozesses, der hier präsentierten Arbeiten lässt sich der Künstler Kay Brudy auf eine untrennbare Symbiose mit dem Lehrer Kay Brudy ein.

 

Nach einer 25 jährigen Nichtbeachtung von Massen an erhaltenen und erarbeiteten Schulmaterial begegnet Kay Brudy 2012, seinen Aufzeichnungen aus der eigenen Schulzeit. Seinem ersten Impuls, die Aufzeichnungen zu entsorgen, gibt er nicht nach, sondern vertieft sich in eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Material. Es entsteht eine 180 Blätter umfassende Werkgruppe, Schulblätter betitelt, die hier in Auszügen präsentiert wird. Ebenso wie die seit 2013 sich entwickelnde Werkgruppe Reflexionen über Schulblätter und die in diesem Jahr entstandene Werkgruppe Tafeln.

 

Er hinterfragt die Bedeutung der Inhalte von den wieder gefundenen Schulmaterialien, bringt sie in neue Zusammenhänge und untersucht, seinem künstlerischen Lehrmeister Rémy Zaugg folgend, die Bedeutung der Typographie bei der Vermittlung von Inhalten:

 

In diesem Prozess entlässt Kay Brudy die Schulmaterialien aus ihrer Determinierung der faktischen Wissensvermittlung und überlässt sie der Deutungsfreiheit des Betrachters, zum eigenen Erkenntnisgewinn.

 

 

Sven Wiesner

 

ist Student der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.

Seinen Arbeiten liegen Gesetzmäßigkeiten der Naturwissenschaften zugrunde.

Er transportiert Begriffe wie Energie, Masse, Arbeit und Entropie in sich stetig im Wandel befindliche Kunstwerke.

 

Ein wichtiges Element seiner Arbeit ist das in Bewegung setzen von Massen und das Aufzeigen der Wandelbarkeit der uns umgebenden Wirklichkeit. Dabei werden die Ursprungsmaterialien allen Lebens, Wasser und Erde zum „Grundstoff neuer ästhetischer Erfahrungen, die als Skulptur vom Betrachter nachvollzogen werden können“. Zu sehen ist dieser Prozess beispielhaft in dem Video Poolboy, indem mit Wasser vermengter Ton unter körperlicher Anstrengung in Bewegung gebracht wird.

 

Das mit Wasser befüllte Loch in dem massiven Tonquader Optimus Pool stellt einen Speicher dar, der den Austrocknungsprozess des Tons entgegenwirkt und zugleich die eingebrachte Energie und die Wandelbarkeit dieser Skulptur veranschaulicht.

 

Der Kupferspaten unterlief in seiner Entstehung ebenfalls mehrere Prozesse der Veränderung. War er zunächst ein Spaten, der von Sven Wiesner benutzt wurde um Gebirgsmaterial abzutragen, wurde er im zweiten Schritt mit aufeinander folgenden Schichten aus Ton, Wachs, Kupfer und abschließend mit einer zweiten Schicht Wachs umhüllt. In seinem jetzigen Erscheinungsbild ist der Kupfersparten jedoch nicht starr. Die Einflüsse von Luft, Licht und Temperatur auf die äußeren Materialien Wachs und Kupfer, führen zu immer neuen wahrnehmbaren Zuständen.

 

Die philosophische Essenz Sven Wiesners Arbeiten führt uns zurück zu Heraklit: Panta rhei - alles fließt, alles ist dem Wandel unterworfen.

 

Priska Streit